02.2017 Wienerlied und Heimat

 
Liebe Freunde der 16er Buam!
Immer wieder vernehme ich Aussagen verschiedener Künstler über deren bzw. auch meine Heimat. Es geht dabei um Wien, Österreich, Europa oder die nebulose sogenannte "westliche Welt". Dabei ist auffallend, wenngleich auch bereits scheinbarer Standard, dass Heimat, Herkunft, Wurzeln oder gar Tradition in erster Linie möglichst negativ dargestellt werden. Es wird geschimpft, kritisiert und verurteilt. Welch harte Bürde es für manche sein muss, "hier" geboren worden zu sein. Mitunter lockt mir deren Härte des Lebens ein Tränchen aus einem meiner Äugelein. ´Zuagraste´ sehen den hiesigen Kulturkreis, meiner Beobachtung nach, weitaus mehr entspannt.
 
Freilich kann man keinesfalls nur Glücksmomente in der langen Geschichte unseres Wirkungskreises festmachen. Auch bin ich durchaus geneigt zu erkennen, dass in manchen Belangen andere Völker und Kulturen weisere Vorgangsweisen erkannt und gewählt haben, als die meinigen. Natürlich wurde und wird die Tradition meines Geburtslandes von allen möglichen Richtungen vergewaltigt, missbraucht und pervertiert.
 
Ich erlaube mir hierbei allerdings dem Reigen der arroganten Schimpfer, unvernünftigen Kritiker und selbstüberhöhten Wichtigtuern fernzubleiben. Deshalb schätze ich auch die uneingeschränkte Philosophie des ´Erneuerns´ nicht besonders. Das Wienerlied, lediglich ein diesbezüglicher Teilbereich und als hiesiges Beispiel dienend, soll nicht erneuert werden. Es soll lebendig erhalten bleiben. Das bedeutet eine gesunde, der jeweiligen Zeit entsprechenden Entwicklung. Nicht aber das Zerstören des bestehenden Liedgutes oder die politisch korrekte Ergänzung durch kritische, aufklärende und warnende Beibackzettel.
Eh kloa, dass in Liedern des 19. Jahrhunderts die Gleichstellung der Geschlechter KEIN Thema war, dass damals kein Komponist ein Zeichen gegen Rassismus setzte oder man in den 1950 Jahren eher weniger Wert auf die künstlerische Beschäftigung mit dem vergangenen 3. Reich legte. Ich erlaube mir aber anzumerken, und unterstelle untertänigst selbiges den Lesern dieser Zeilen: I bin ka Trottl! Ich laufe nicht Gefahr aufgrund des Hörens und Spielens der alten Wienerlieder ein nationalistisches, rassistisches und chauvinistisches Orschloch zu werden. Also verzichte ich ehrlich auf aufklärende, hinweisende und korrigierende Worte mancher selbsternannter Meinungsmacher.
 
Man verzeihe mir bitte die teilweisen gar harten dem Volksmusikantenmilieus bedingten Unmutsäußerungen, als auch die freilich leicht überzeichnete Darstellung. Die Wienermusik ist Teil unseres kollektiven Bewußtseins. Und als solchen nehme ich sie an und versuche das beste daraus zu machen. Das bedeutet die alten Weisen zu ehren und neue Lieder zu schaffen, auch wenn sie nicht den früheren entsprechen. Nicht erneuern. Nicht verbessern. Sondern so gut zu machen, wie ich kann.
 
Und unser bestes geben wir gerne bei unseren Konzerten und bei privaten Feierlichkeiten.
Herzlichst Euer
Klaus Steurer

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